Inselstadt Malchow – Manchester des Nordens?

Die hübsche Stadt inmitten der Mecklenburgischen Seenplatte ist ein absoluter Publikumsliebling. Das liegt sicher an ihrer besonderen Atmosphäre, aber auch an der famosen Wasserlandschaft drumherum. In der Mitte des 19. Jahrhunderts gab es hier Färbereien und Tuchfabriken in großer Zahl, bis in die DDR-Zeit gab es in Malchow noch ein großes Teppichwerk. Die Geschichte der Malchower Tuchmacherei ist überaus interessant, wer aufmerksam durch die Stadt schlendert kann an vielen Stellen noch Überreste davon sehen. Wir wollen Ihnen in diesem Artikel nicht nur Tipps zum Besichtigen geben, sondern auch ein wenig Bezug nehmen auf die erzählenswerte Geschichte, dann macht das Entdecken gleich noch viel mehr Freude.

Die Altstadtinsel Malchow – ein spannende Geschichte

Schon früh wurde die Insel im Malchower See besiedelt, wie in dieser Region üblich waren es die Slawen, die ihre Burg auf die Insel setzten. Im Mittelalter eroberten deutsche Kolonisten das Gebiet, seit 1235 besitzt Malchow das Stadtrecht. Wenn Sie die Altstadtinsel betreten, dann sind sie recht schnell am Marktplatz, der eine deutliche mittelalterliche Anlage besitzt. Hier auf der Insel ist alles klein und schmal, die Häuser und die Straßen und Tüschen – letzteres sind die Wassergänge zwischen den Gebäuden. Man musste sich halt beschränken, denn das Stadtrecht galt ausschließlich für die Insel, die Malchower durften sich bis 1723 nicht weiter ausbreiten. Und mit Einschränkungen mussten die Malchower auch in anderer Hinsicht leben: Ab 1354 wurden die Stadt und das Land Malchow Herzog Albrecht der II. von Mecklenburg-Schwerin an die Familie von Flotow verpfändet. Trotz allem entwickelte sich auf der kleinen Insel ein reges Handwerk. Vor allem Färber und Tuchmacher siedelten sich an. Natürlich lebte man auch vom Fischfang, der Viehhaltung und dem Ackerbau.

Stadtbrand, Drehbrücke und Erddamm – Malchow entwickelt sich

Wie so oft in der Geschichte sind Stadtbrände Ursache und Wirkung zugleich. 1732 fiel die Altstadtinsel einem solchen zum Opfer und man beschloss daraufhin, sich auch außerhalb der Insel niederzulassen. Es entstanden die Ortsteile Neustadt und Alt Malchow am Kloster. Einen wirtschaftlichen Aufschwung gab es außerdem durch die Aufschüttung eines Erdwalls in der Mitte des 19. Jahrhundert. Die Altstadtinsel war nunmehr über eine Festlandsverbindung zu erreichen. Wenn Sie vom Kloster Malchow auf die Insel wollen, dann benutzen Sie automatisch diesen Damm. Auf der anderen Seite der Insel wurde notwendigerweise die Holzbrücke durch eine Drehbrücke ersetzt, so konnten auch größere Schiffe auf den Fleesensee gelangen – diese wichtige Wasserstraße musste passierbar bleiben. Bis zum heutigen Tage schippern Freizeitkapitäne auch an Malchow vorbei, wenn sie auf dem Weg zur Elbe oder nach Hamburg sind. Rund um die Drehbrücke schlägt heute das gefühlte Herz der Stadt, zahlreiche Restaurants und Cafés befinden sich in unmittelbarer Nähe. Es ist durchaus interessant, bei einem schönen Getränk dem lebendigen Treiben zuzuschauen – das ist auch unser Tipp für alle Radwanderer, die hier vorbeikommen.

Was lohnt sich in Malchow anschauen?

Über die Altstadtinsel kann man schlendern, natürlich ist es hier in den Sommermonaten sehr voll. Es gibt auch Cafés und andere „Gastronomitäten“, nicht immer sind diese auf den ersten Blick erkennbar, weil sie natürlich ihre Terrasse auf der Wasserseite haben. Aber Sie finden sie schon…
Die Drehbrücke erwähnten wir schon, hier ist immer viel los und wenn Sie per Schiff Malchow verlassen wollen, dann finden Sie genau hier auch die Schiffsanlegestellen. Es gibt eine regelmäßige und in der Hauptsaison auch mehrfach täglich verkehrende Schiffsverbindung zwischen Malchow und Waren. Auch in die andere Richtung kann man schippern – über den Petersdorfer zum Plauer See. Fahrräder werden transportiert und so enthalten viele unserer Radreisen eine solche Schiffspassage – eine schöne Abwechslung während einer Radtour.

Im Stadtteil Malchow Neustadt, welcher auf der Festlandseite der Drehbrücke beginnt, gibt es auch durchaus einiges zu sehen. In der Kirchenstraße befindet sich nur einen Steinwurf von der Drehbrücke entfernt der ehemalige „Film-Palast“. Wir müssen immer schmunzeln, wenn wir den Namen hören. Natürlich hat das Gebäude heute wenig Palastcharakter, aber in den 50er Jahren gebaut war es als örtliches Kino sicher ein Highlight für die Bevölkerung. Ländliche Kinos gibt es auch in Mecklenburg nicht mehr und so ist in diesem Gebäude heute das Malchower Alltagsmuseum untergebracht. Eine gewisse Ostalgie muss man bei der Besichtigung schon mitbringen, aber wer im Osten der Republik seine Kinderstube hatte, der findet überraschend viele Dinge die wirklich berühren.
Vielleicht haben Sie sich schon gewundert, dass auf der Altstadtinsel keine Kirche steht. Die gab es einst schon, aber der schlechte Baugrund und auch der Stadtbrand haben lange Standzeiten der Kirchen verhindert. Daher entschloss man sich, die neue Stadtkirche außerhalb der Insel zu bauen. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts erbaut hat sie die Form einer Kreuzkirche mit einem fünfzig Meter hohen Kirchturm. Gehen Sie nur hinein, es lässt sich so einiges entdecken! Das Geld war schon immer knapp und so entschied man sich für ein hölzernes Gewölbe. Schauen Sie an die Decke, entdecken Sie die Drachen an den Zugbändern und die Medaillons an der Vierung? Bei Sonnenschein erstrahlen die Altarfenster in ihrer ganzen Pracht, die anderen sind leider dem Zweiten Weltkrieg zum Opfer gefallen.

Kloster Malchow

Den meisten Menschen fällt im Zusammenhang mit kirchlichen Bauten in Malchow nicht zuerst die Stadtkirche ein. Das Kloster ist – ohne Zweifel – das imposanteste Bauwerk hier und schon von weitem sichtbar – egal ob man Malchow über den Wasser- oder den Landweg erreicht. Die Klosterkirche wurde einst nach den Plänen von Buttel erbaut und wird heute als Konzertsaal genutzt, außerdem beherbergt sie das einzigartige Orgelmuseum. Wir können einen Besuch nur wärmstens empfehlen. Ab und zu gibt es hier musikalische Veranstaltungen, natürlich auch mit Orgelmusik. Nutzen Sie diese Gelegenheit unbedingt, es ist ein besonderes Erlebnis.
Natürlich besteht die Klosteranlage aus vielen Gebäuden und der Restaurierungsprozess ist keineswegs abgeschlossen. Es ist eine Generationenaufgabe, dieses wunderbare Ensemble zu erhalten und die besonderen Gebäude auch einer angemessenen Nutzung zuzuführen. Ein Café ist im alten Gemäuer zu Hause und wir können sagen, die handgemachten Torten schmecken fantastisch! Immer wenn wir hier vorbeikommen nehmen wir uns die Zeit für eine Kaffeepause im Klosterhof.

Malchows reizvolle Umgebung

Führt Sie Ihre Radtour von Malchow nach Waren, dann fahren Sie – sofern Sie nördlich der großen Seen unterwegs sein wollen – durch den Naturpark Nossentiner Schwinzer Heide oder an dessen Rand entlang. Ganz in der Nähe liegen verschlafene Orte wie Silz und Jabel, natürlich immer in unmittelbarer Seenähe. Auch das Wisentgehege befindet sich ganz in der Nähe. Auf einer Halbinsel, dem Damerower Werder, sind seit 1957 Wisente zu Hause. Diese leben hier weitgehend autonom, lediglich im Winter wird etwas zugefüttert. Ziel ist es seit über fünfzig Jahren die Wisentbestände in Deutschland wieder zu erhöhen. Um 11 und um 15 Uhr finden in aller Regel täglich öffentliche Fütterungen statt. Natürlich ist es nicht garantiert, dass man auch einen Wisent sieht – aber meistens gelingt das. Wer mit Kindern unterwegs ist, wird sich über die vielen Spielgeräte und die attraktive Besucherausstellung zum Thema „Wisent“ freuen.

Alt Schwerin und der Naturpark Nossentiner Heide

Alt Schwerin bildet den westlichsten Punkt der Malchower Region und gehört zum Naturpark Nossentiner Schwinzer Heide. Ein hübscher Ort mit einer genialen Lage. So können Sie von hier aus sowohl den Plauer See erkunden als auch einen Abstecher direkt in den Naturpark Nossentiner Heide unternehmen, um zum Beispiel im glasklaren Drewitzsee zu baden oder um durch die Wälder zu streifen. Im Ort Alt Schwerin befindet sich das Agroneum, eine schöne und weitläufige Dauerausstellung zum Thema Landwirtschaft.